Das Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung (Zi) hat ein Planspiel als Serious Game für Smartphones und Tablets (Android und iOS) entwickelt. Für die Entwicklung wurde die Firma Serious Games Solutions ausgewählt, die in diesem Segment über langjährige Erfahrungen verfügt. Das Praxis-Planspiel ist kostenfrei über Apple App Store und Google Playstore zugänglich.

Das Planspiel „Praxisraum“ macht erlebbar, wie eine fiktive Vertragsarztpraxis aufgebaut und dauerhaft organisiert und geführt wird. Es bildet die Vertragsarzttätigkeit realitätsnah ab. Ziel ist es, für diese zu werben und Interesse zu wecken. Gleichzeitig soll mit „Praxisraum“ Berührungsängsten begegnet und für eine vertragsärztliche Niederlassung geworben werden. Die Zielgruppen sind Medizinstudierende, Ärztinnen und Ärzte, die sich in Weiterbildung befinden bzw. angestellt sind. Mit dem Planspiel bieten sich die Kassenärztlichen Vereinigungen als Begleiter und Berater für die Niederlassung an. Für detaillierte Informationen zur Vertragsarzttätigkeit verweist das Spiel auf www.lass-dich-nieder.de.

Spielstart

Das Spiel startet mit der Frage nach der Form der Praxisgründung. Dem Spieler wird eine Auswahl von Praxen angeboten, die sich bei Gründungsart und regionaler Lage unterscheiden. Der Spieler hat ein vorgegebenes Startbudget zur Verfügung, er kann wählen, ob er eine Praxis übernehmen oder neu gründen möchte. Bei einer Neugründung fallen keine Übernahmekosten an, womit der Start günstiger ist; der Patientenstamm muss aber neu aufgebaut werden. Bei der Übernahme ist der Startpreis höher, weil Übernahmekosten entstehen, es kann aber ein vorhandener Patientenstamm übernommen werden. Zum Spielstart entscheidet der Spieler auch über den Standort hinsichtlich der Lage der Praxis.

Die Aspekte vor dem Start des Praxisbetriebs werden im Spiel stark vereinfacht abgebildet. In der Realität müssen Immobilien besichtigt oder Verhandlungen geführt werden. Es muss voraussichtlich ein Kredit aufgenommen werden. Unter Umständen fallen Renovierungsmaßnahmen an. All dies wird vereinfacht über vorkonfigurierte Praxen im Spiel dargestellt, um die Spieler an dieser Stelle nicht zu verlieren. Nach Auswahl erscheint die erste Ansicht der Praxis mit Arztzimmer, Labor, Diagnostik, Therapie, Wartezimmer, Anmeldung. Diese Räume sind Stationen, die der Patient bei seinem Besuch der Praxis durchläuft. Ein Raum kann immer nur einen Patienten aufnehmen und benötigt den Arzt oder einen hierfür qualifizierten Mitarbeiter, um den Patienten zu versorgen. Die Darstellung der Praxis ist als 3D-modellierter Raum, mit einem offenen Bereich als Wartezimmer angelegt.

Avatar

Um die emotionale Bindung an das Spiel zu erhöhen, wählt der Spieler einen Avatar aus einem vorgefertigten Set von weiblichen, männlichen und genderneutralen Figuren aus. Der Avatar dient als Repräsentation gegenüber anderen Spielern (z.B. in Highscorelisten), ist aber keine bewegliche Spielfigur in der Szene. Weder der Avatar noch die Praxis sind einem konkreten medizinischem Fachgebiet zugeordnet. Die Fachausrichtung ist in diesem Spiel irrelevant. Die medizinische Versorgung und die Geräteausstattung der Praxis werden ausschließlich auf abstrakter Ebene berücksichtigt.

Spielziel

Spielziel ist es, eine wirtschaftlich erfolgreiche Arztpraxis aufzubauen. Der Spielerfolg wird durch drei Werte dargestellt:

  • Qualität der Praxis, die anhand der Zufriedenheit der Patienten und Mitarbeiter abgeleitet wird,
  • Work-Life-Balance, die von der Arbeitsbelastung des Praxisinhabers abhängt und
  • Einkommen, das sich durch Einnahmen und den laufenden Kosten ergibt.

Spielhilfen

Spielhilfen werden von einer virtuellen Mentorin der KV vermittelt. Diese wird als seriöse, weibliche Figur dargestellt, die ihr Wissen mit Sprechblasen an den Spieler weitergibt. Die Mentorin wird als verbindendes Element auch außerhalb des Spiels auf der zugehörigen Website der App auftauchen und dort ebenfalls als Ansprechpartnerin und Ratgeberin fungieren.

Organisation

Zeitmanagement ist die zentrale Mechanik des Spiels. Der Spieler wird hier spielerisch erleben, dass er viele Freiheiten in der zeitlichen Gestaltung seines Praxisbetriebs hat, aber auch einigen Anforderungen gerecht werden muss. Das Zeitmanagement für den gut organisierten Praxisbetrieb kann per Einteilung wie in einem Kalender stundenweise vorgenommen werden. Der Arzt plant seine Zeit und die seiner Mitarbeiter in Arbeitsblöcken. In Anlehnung an die quartalsweisen Abrechnungen im

niedergelassenen Bereich ist das Spiel aufgeteilt in abstrakte Zyklen, die jeweils aus drei Zyklustagen bestehen. Im Planspiel werden Zyklen gespielt, die jeweils mit der Abrechnung gegenüber der Kassenärztlichen Vereinigung und der Auszahlung von Miete und Gehältern enden. Events, regelmäßige Aufgaben und spezielle Anforderungen (wie Urlaubsanforderung eines Mitarbeiters) müssen in der Regel innerhalb des aktuellen Zyklus abgeschlossen werden. Optimal abgestimmte Abläufe in der Praxis führen zu einem besseren Spielergebnis.

Patienten

Sie haben einen Namen, ein Alter, eine Berufsgruppe, persönliche Eigenschaften, wie Beratungsbedarf beim Arztbesuch, und ein individuelles Aussehen. Diese Informationen sind in einer Patientenakte zusammengefasst. Die Patienten haben Beschwerden oder Probleme, die im Gegensatz zum Patienten selbst generisch erzeugt und abstrahiert sind. Konkrete Krankheitsbilder spielen im Planspiel keine Rolle. Die generierten Patienten werden mit der korrespondierenden Geräteausstattung der Praxis verglichen, um festzustellen, ob sie behandelt werden können.

Die ersten Ausbau- und Ausbildungsstufen sind sehr wichtig, um einen Großteil der Patienten behandeln zu können. Der Spieler hat die Möglichkeit zu bestimmen, wie viele Patienten er pro Block Terminsprechstunde annehmen will. Dabei muss er abschätzen, wie viele Patienten seine Praxis mit der aktuellen Ausstattung an medizinischen Geräten und Personal versorgen kann. Bei offenen Sprechstunden ist die Anzahl der angenommenen Patienten zufällig.

Versorgung

Die Reihenfolge in der sich ein Patient durch die Arztpraxis bewegt ist: Empfang, Erstes Arztgespräch, Labor, Diagnostik, Therapie, zweites Arztgespräch, Abmeldung und Praxis verlassen. Nicht alle Stationen müssen in jedem Fall angesteuert werden. Innerhalb der Praxis gibt es verschiedene Warteschlangen, um den logischen Ablauf innerhalb der Praxis zu gewährleisten. Sobald Personal frei wird, wird geprüft, ob die benötigte Station frei ist, und ob das Personal die Qualifikation hat die Problemstufe abzuhandeln. Sind beide Bedingungen erfüllt, führt das Personal die Arbeit an dem wartenden Patienten durch.

Personal

Der Spieler muss neben seiner eigenen Zeit auch den Einsatz seines Personals planen. Das medizinische Fachpersonal hat eine nach Person unterschiedliche Qualifikation. Diese Qualifikationen wirken sich auf den Betrieb der Praxis aus. Sie können durch Fortbildungen erweitert werden, so dass der Arzt dem Mitarbeiter weitere Aufgaben delegieren kann. Damit kann die Praxis mehr Patienten in der gleichen Zeit behandeln und die Work-Life-Balance des Arztes verbessert sich. Neben den angestellten ausgebildeten Mitarbeitern kann die Praxis auch selbst Mitarbeiter ausbilden. Ist ein Auszubildender eine lange Zeit in der Praxis, so ist seine Ausbildung abgeschlossen und der Spieler kann entscheiden, ob er den Auszubildenden übernehmen will.

Markus Leibner, Till Eicken, Zentralinstitut für die Kassenärztliche Versorgung