Praxiseinblicke

Einblick in die Praxis!

Jürgen Heesch, Anna Maria Kirschbaum und Bernd Altmann

Gelungene Praxisübergabe in der Allgemeinmedizin

Unser Geheimrezept: Erfolg durch Vertrauen

Berufsausübungsgemeinschaft (BAG)
Lübeck
Allgemeinmedizin
Nein

Wenn ein Arzt in den Ruhestand geht, steht sofort die Frage nach der Nachfolgeregelung im Raum. Jürgen Heesch meisterte diese Herausforderung mit einer zukunftsweisenden Lösung. Er übergab Anfang dieses Jahres seine Hausarztpraxis in Lübeck St. Lorenz Nord an Anna Maria Kirschbaum und Bernd Altmann – eine junge Ärztin und ein junger Arzt, die zuvor ihre Weiterbildungszeit bei ihm absolviert hatten.

Die Praxisnachfolge direkt aus der Weiterbildung heraus zu regeln, brachte für alle Seiten Vorteile. Entscheidend für den Erfolg war es, über einen längeren Zeitraum eine vertrauensvolle persönliche Beziehung zueinander aufbauen zu können. „Es ist gut, sich bereits lange zu kennen und dafür ist die Weiterbildungszeit besonders geeignet“, so Jürgen Heesch. Anna Maria Kirschbaum ist seit über fünf Jahren mit der Praxis vertraut. Zunächst war sie dort zwei Jahre lang als Ärztin in Weiterbildung und danach für drei Jahre als angestellte Ärztin tätig. „Die Arbeit machte mir gleich große Freude. Sie ist sehr vielseitig, denn wir betreuen auch behinderten Menschen aus einer nahegelegenen Einrichtung hausärztlich“, erklärt sie. Als Bernd Altmann im Mai 2022 seine Weiterbildungszeit bei Heesch begann und auch Interesse anmeldete, wurde der Plan konkreter, die Praxis Anfang 2025 gemeinsam zu übernehmen.

Vertrauen als Basis

„Das persönliche Verhältnis ist für beide Seiten wichtig und wenn die Übernahmebedingungen stimmen, ist es der beste Weg. Es muss bei den Punkten Motivation, Arbeitsfreude, Gesamtsituation der Patienten Übereinstimmung herrschen“, betont der überzeugte Weiterbilder Heesch. Statt extern zu suchen, setzte er ganz bewusst auf die zwei jungen Mediziner, die nicht nur mit seiner Praxis, sondern auch mit den Patienten und dem Team bestens vertraut sind. Ein weiterer Vorteil: Der seit 1991 in Lübeck niedergelassene Hausarzt konnte seine Nachfolger nicht nur fachlich, sondern auch betriebswirtschaftlich in Ruhe auf eine erfolgreiche Praxisführung vorbereiten. „Sie müssen die wirtschaftlichen Grundlagen verstehen, um für die Zukunft gut gerüstet zu sein“, erklärt er.

Start gelingt

Für Kirschbaum und Altmann brachte die Einarbeitungszeit jede Menge Planungssicherheit und sehr viel Entscheidungsfreiheit. Sie konnten sich in Ruhe überlegen, welche Praxisstrukturen ihnen besonders gut gefallen, welche sie beibehalten und welche sie ändern wollen. „Ich halte das für einen großen Vorteil“, erklärt Kirschbaum. „Außerdem habe ich bereits jetzt einen festen Patientenstamm, und die meisten Patienten wissen zumindest vom Sehen her, wer ich bin. Ich kenne und schätze unsere MFA. Das alles schafft Vertrauen und erleichtert mir die Anfangszeit.“ Trotz der guten Vorbereitung empfand sie den Start in die Selbstständigkeit als Herausforderung: „Viele Dinge, um die man sich vorher nicht kümmern musste, wollten berücksichtigt werden. Zum Glück habe ich einen kompetenten Partner an meiner Seite, und wir haben zusammen die meisten Anfangsschwierigkeiten hoffentlich gut bewältigt“, so ihr erstes Fazit.

Übergabe braucht Planung

Die beiden neu Niedergelassenen empfehlen allen, die ihren Weg in die Selbstständigkeit auch gehen wollen, möglichst frühzeitig mit dem Weiterbilder über eine Praxisübernahme zu sprechen: „Besprecht gemeinsam einen Zeitplan, wie und wann die Übergabe konkret stattfinden soll.“Dieses gelungene Beispiel einer internen Übergabe aus der Weiterbildung heraus stärkte so am Ende beide Seiten: Der Weiterbilder konnte sowohl sein Wissen als Mentor, als auch seine Praxis mit einem guten Gefühl weitergeben, während seine beiden jungen Nachfolger optimal vorbereitet in die neue Rolle als Praxisinhaber starten – ein Modell, das weitere Nachahmerinnen und Nachahmer verdient.

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